YALDA: EINE NACHT VOLLER GEDICHTE, GENÜSSE UND LACHEN

Yalda ist ein jahrhundertealtes persisches Fest, das traditionell zur Wintersonnenwende Ende Dezember gefeiert wird. Für dieses alte Ritual finden sich Freunde und Familie an einem reich gedeckten Tisch zusammen, um spirituelle Gedichte zu rezitieren. Wir haben mit den iranischen Freundinnen Nasim und Elham gesprochen, die uns eingeladen haben, mehr über Yalda zu erfahren.

 

 

Jedes Jahr am 21. Dezember trifft man sich im Iran, um bei reichlich Speisen und Getränken die inspirierenden Werke des Dichters Hafis aus dem 14. Jahrhundert zu rezitieren und das fröhliche Beisammensein zu genießen.

 

Im Persischen ist dieses Fest als Shab-e Yalda bekannt – Yalda bedeutet „Geburt“ und zelebriert Mithra, die Göttin des Lichts. Bei diesem spirituellen Ritual wird der Einzug des Winters, die Wiedergeburt der Sonne und der Triumph des Lichts über die Dunkelheit gefeiert.

 

 

EINE FAMILIE AUS FREUNDEN

Weil die Distanz zu ihren Familienangehörigen im Iran so groß ist, haben die beiden einen eigenen Familiensinn entwickelt und bezeichnen sich gegenseitig sogar als Schwestern.

 

„Das Familienleben genießt einen sehr hohen Stellenwert im Iran,“ sagt Nasim. „Hier kochen wir zusammen, unternehmen Dinge mit unseren Kindern, gehen gemeinsam aus und erschaffen so ein familiäres Miteinander.“

 

 

UNZERTRENNLICHE SCHWESTERN

Nasim wurde in Deutschland als Tochter iranischer Studenten geboren, kehrte jedoch im Alter von drei Jahren in den Iran zurück. Für ihr Studium Finanz- und Rechnungswesen zog es sie erneut nach Deutschland, wo sie ihren Mann traf, der selbst iranische und niederländische Wurzeln besitzt.

 

Gemeinsam zogen sie vor zehn Jahren in die Niederlande und haben mittlerweile zwei Kinder, doch sie fühlen sich dem Iran noch immer sehr verbunden. Aktuell plant Nasim, ein Psychologiestudium an der Universität von Amsterdam zu beginnen. Elham wurde im Iran geboren und lebte in Australien, bevor sie in die Niederlande zog. Die zweifache Mutter ist Ingenieurin für Textiltechnik und macht gerade ihren Masterabschluss im Bildungsbereich. Die beiden verlassen sich aufeinander  wie Schwestern. „Ich helfe Elham und sie hilft mir,“ sagt Nasim. „Wir verstehen und inspirieren einander und feiern alle Feste gemeinsam – wie Yalda und Nourus (das persische Neujahrsfest). Während der Ferien verreisen wir zusammen und unter der Woche trinken wir mindestens zweimal gemeinsam unseren Morgentee.“

 

 

EIN FEST AUS DEM ALTEN PERSIEN

„Yalda bedeutet uns sehr viel,“ sagt Elham. „Es ist ein Fest aus dem alten Persien, das ein wenig nostalgisch angehaucht ist und nichts mit Religion zu tun hat. Jeder im Iran feiert Yalda. An diesem Tag kommen alle zusammen, von der Großmutter bis zum kleinsten Enkelkind, um das Familienleben zu zelebrieren. Weil wir nicht mehr im Iran leben, feiern wir Yalda mit Freunden. Aber wir vermissen unsere Familien ...“ „Das Essen spielt die heimliche Hauptrolle,“ sagt Nasim. „Alle unsere Zusammenkünfte drehen sich ums Essen, denn es ist einfach köstlich! Der beste Koch in der Runde wird mit der Zubereitung der Gerichte beauftragt. Für Yalda übernehmen normalerweise die Mütter und Großmütter die Regie in der Küche.“

 

DER REIS

„Jede Familie besitzt ihr eigenes Rezept für Juwelenreis,“ sagt Elham. „Es kommen immer Nüsse hinein, etwa Mandeln oder Pistazien. Die Zutaten hängen ganz vom Herkunftsort ab. Manche verwenden Orangenschale und Zereshk (Berberitzen). Wir essen ihn vorzugsweise mit Hühnchen,“ erklärt sie lächelnd. (Entdecken Sie unser Rezept für dieses köstliche persische Gericht auf Seite 19.)

 

 

BESINNLICHES BEISAMMENSEIN

Zur Yalda-Nacht wird der Esstisch liebevoll mit Blumen, verschiedenen Nüssen und natürlich Wassermelone und Granatäpfeln dekoriert. Sobald alles bereit ist, versammelt sich die Familie um den Tisch. „In manchen Regionen wird spezielles Gebäck oder Naschereien wie Zuckerwatte gereicht,“ erläutert Elham. „Wir essen gerne Wassermelone und Granatäpfel, weil diese Sommerfrüchte die Gesundheit fördern. Ihre tiefrote Farbe steht zudem für Wärme und den Funken des Lebens. Vom Sommer bis Yalda müssen wir die Wassermelone lange aufbewahren.“ „Was ich an Yalda

 

am meisten liebe ist, wenn wir alle um den Tisch herumsitzen und beginnen, die Gedichte von Hafis zu rezitieren, einem iranischen Dichter aus dem 14. Jahrhundert. Man wünscht sich etwas, öffnet das Buch an einer zufälligen Stelle und die älteste anwesende Person liest das Gedicht laut vor. Yalda wäre nicht Yalda ohne Hafis „Perlen der Weisheit über das Leben.“

 

Ich fragte einmal einen Vogel, sag, wie kannst du fliegen in dieser Schwere der Dunkelheit? Er antwor- tete, „Die Liebe trägt mich

HAFIS