Hautnah mit dem CEO von Rituals Raymond Cloosterman

Ich bin ein Mann, der viel von Ritualen hält. In meiner Erziehung haben die kleinen Dinge eine wichtige Rolle gespielt.

Eine niederländische Zeitschrift hat Sie „Mr. Perfect“ getauft, die amerikanische Vanity Fair nennt sie die niederländische Version von James Bond. Ganz schön ehrgeizige Vergleiche. Aber wie perfekt sind Sie eigentlich im wirklichen Leben?

Ziemlich perfekt, wenn Sie mich fragen (lacht laut). Stellen Sie meiner Frau einmal dieselbe Frage und ich glaube, dass die Antwort leider sehr anders ausfallen wird. Das ist zwar sehr schmeichelhaft, aber perfekt ist doch eigentlich niemand. Wenn überhaupt, dann würde „Mr. Perfectionist“ zu mir passen. Wenn man eine weltweite Marke aufbaut wie Rituals, dann muss man nach Perfektion streben: den ganzen Weg lang, Tag für Tag. Und dabei braucht es Leidenschaft und eine Prise Besessenheit. So sehe ich das jedenfalls. Bei Rituals möchten wir schöne Dinge schaffen, die aus der alltäglichen Routine ganz besondere Rituale machen. Letztendlich muss alles eine Einheit bilden: Parfum, Produkte, Designs, Stores, Service und Erfahrung. Wenn uns all das gelingt und wir damit Schritt halten, dann haben wir unsere Aufgabe erfolgreich erfüllt.

Wie wichtig ist das Äußere für Sie?


Das Erscheinungsbild ist mir wichtig, es ist jedoch nicht alles. Natürlich ziehe ich mich gerne gut an und möchte gut aussehen. Und ein neuer Anzug verleiht mir das gewisse Etwas an Selbstvertrauen. Aber das Erscheinungsbild ist wesentlich mehr als nur das Aussehen. Es ist die Ausstrahlung einer Person. Ich fühle mich von Natur aus zu Menschen hingezogen, die optimistisch und kreativ sind, weil sie mich buchstäblich mit Energie versorgen. Letztendlich zählt nur das, was man innen zu bieten hat. Trotzdem schadet es auch nicht, mit seinem Auftreten Eindruck zu hinterlassen.


Wo schöpfen Sie eigentlich Ihre Inspirationen, um Ihre Kreativität nicht versiegen zu lassen?

Ich inspiriere mich auf Reisen und beim Entdecken von anderen Kulturen, beim Kennenlernen neuer Menschen und indem ich Einzelhandelsgeschäfte auf der ganzen Welt besuche. Wahrscheinlich zähle ich zu den wenigen Männern, die gerne shoppen gehen. Und das ist in der Tat ein wichtiger Teil meiner Tätigkeit: erkennen, was den Menschen gefällt und was die nächsten Trends sind. Um den anderen immer einen Schritt voraus zu sein, muss ich besser als alle anderen erkennen, was die Kunden möchten. Und das Beste daran ist, dass ich das zusammen mit einem Team aus sehr talentierter Menschen tun kann. Wenn Sie ein neues Ritual einführen, wie beispielsweise den Laughing Buddha –

Wo fangen Sie dann an und wie kommen Sie zum Endergebnis?


Die meisten unserer Produkte inspirieren sich an traditionellen östlichen Ritualen. Wenn wir ein neues Ritual entdecken, von dem wir denken, dass es sich lohnt, es an andere Menschen weiterzugeben, dann führen wir intensive Recherchearbeiten in Bezug auf alle Details durch. Welche Inhaltsstoffe wurden verwendet und warum? Wie wurden die Routinen ausgeführt? Und so weiter. Dann präsentieren wir diese Inhaltsstoffe unseren Parfumeuren. Gemeinsam wird das dann in eine moderne Palette von Luxusprodukten umgesetzt.

Aber wir lassen uns auch von der Moderne inspirieren. Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass die Menschen viel Zeit und Geld in die Auswahl und das Design einer neuen Küche investieren und andererseits eine nicht besonders schön aussehende Handseife im Supermarkt kaufen, die unachtsam in einer Toilette ausgelegt wird, wenn Besuch kommt. Wir dachten, dass wir das besser können und haben es gemacht. Indem wir eine elegante Produktpalette designt haben, die auch auf der Arbeitsfläche in der Küche eine gute Figur macht.

Wie eng sind Sie in die Entwicklung neuer Produkte und Rituale eingebunden?


Wir haben ein starkes Team aus Menschen, die in unserer Innovationsabteilung arbeiten, wobei ich intensiv eingebunden bin, weil das eine meiner Lieblingstätigkeiten bei meinen täglichen Aufgaben ist: Produkte und Stores kreieren und designen. Ich setze mich mit Leib und Seele für Rituals und die Menschen ein, die an die Marke glauben und sich bemühen, mit besonderen Produkten und Erfahrungen einen Unterschied zu machen. Natürlich können wir die Welt nicht verändern aber ich glaube daran, dass wir einen Beitrag leisten, indem wir einen Unterschied machen in der Branche.

Da wir gerade davon sprechen, einen Unterschied zu machen: Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen in der Industrie ein entscheidender Faktor. Wie geht Rituals auf dieses Thema ein? 

Nachhaltigkeit ist ein sehr wichtiges Thema für uns und wir konnten in diesem Bereich bereits ein paar entscheidende Fortschritte machen. Wir engagieren uns dafür, neue Möglichkeiten zu finden, um die Umweltauswirkungen auf den Planeten zu reduzieren. Daher haben wir das LCA Centre (Umwelteinrichtung für erneuerbare Ressourcen in den Niederlanden) beauftragt, Ökobilanzstudien für unsere Produktverpackungen durchzuführen. Das ermöglicht es uns, die Umweltauswirkungen der einzelnen Verpackungsartikel zu kennen. Diese Informationen setzen wir in die Tat um, indem wir Veränderungen in den Gang bringen, die in Richtung Nachhaltigkeit gehen.

 

Wir bieten beispielsweise Nachfüllpackungen für unsere Körper- und Gesichtscremes und unsere Handseifen. Mit unserem öko-schicken Nachfüllsystem können bis zu 70 % CO2, 65 % Energie und 45 % Wasser eingespart werden. Um unsere CO2-Bilanz zu reduzieren, produzieren wir unsere Produkte so lokal wie möglich – momentan werden 98 % der fertigen Produkte in Europa hergestellt. Außerdem verwenden wir nur FSC-zertifiziertes Papier für Umverpackungen (wenn es funktionell möglich ist, wird recyceltes Papier verarbeitet) und setzen momentan alles daran, um bis 2023 unser Ziel zu erreichen hin zu 100 % recycelbaren Verpackungen.

 

Wie Sie sehen können setzen wir zahlreiche Maßnahmen in Richtung eines nachhaltigeren Ansatzes um und wir lernen auf unserem Weg hin zu immer umweltfreundlicheren Maßnahmen jeden Tag dazu.

 

Als kreativer Kopf hinter der Marke haben Sie wahrscheinlich verschiedene Rituale, die Sie selbst anwenden? Können Sie uns ein paar nennen?

Ich bin ein Mann der Rituale. In meiner Erziehung haben die kleinen Dinge eine wichtige Rolle gespielt. Ich habe tägliche Rituale, wie die meisten Menschen: rasieren, morgens meine Tasse Earl Grey Tee, ab und zu ein entspannendes Bad und ich trinke immer ein Glas Weißwein, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Auf einer spirituellen Ebene: Bei Reisen mit meiner Familie suchen wir immer eine Kirche, um dort für jemanden eine Kerze anzuzünden. Das ist ein Moment der Meditation – dankbar sein für das, was wir haben und uns dessen bewusst werden, was wir geben können.

Wir suchen immer eine alte Kirche, um eine Kerze für eine andere Person anzuzünden.


Die Philosophie von Rituals basiert auf Entspannung und Achtsamkeit, um die kleinen Dinge des Lebens zu genießen. Leben Sie auch das, was Sie predigen?

Ich muss zugeben, dass diese Frage genau ins Schwarze trifft. Momentan arbeiten wir sehr hart, damit die Marke weiter in neue Bereiche expandieren kann, das heißt in neue Länder und vielleicht sogar auf neue Kontinente. Deshalb können Sie sich sicherlich vorstellen, dass mein Terminkalender momentan übervoll ist – vergleichbar mit einem Hochgeschwindigkeitszug, der auf Hochtouren läuft. Langsamer machen ist so gut wie unmöglich. Deshalb stimme ich zu: Es gibt immer Verbesserungspotenzial. Und nein, bisher ist es mir noch nicht wirklich gelungen, das, was ich predige, auch wirklich zu leben. Aber ich lerne jeden Tag dazu und bemühe mich, die Dinge immer besser in ein Gleichgewicht zu bringen.

Unverkennbare Düfte zählen zu den zentralen Erfolgsfaktoren der Marke. Wie wichtig sind Düfte für Ihre Persönlichkeit?

Düfte sind sehr wichtig für mich. Das liegt eigentlich auf der Hand, denn der Geruchssinn ist einfach unglaublich. Er kann uns an Orte und in die Vergangenheit, zurück in unsere Kindheit transportieren oder uns an besondere Momente unseres Lebens erinnern, genau wie Musik und ich bin auch ein großer Musikliebhaber. Und seien wir einmal ehrlich: Orte, die schlecht riechen, vermeiden wir doch alle. Andererseits fühlen wir uns hervorragend, wenn wir einen attraktiven Duft riechen. Ich persönlich verlasse das Haus nie ohne Parfum, wobei ich zwischen meinen drei Lieblingsdüften abwechsele, abhängig von meiner Stimmung und dem jeweiligen Anlass. Diese reichen von sportlich über würzig bis hin zu klassisch, wie eine Art Cologne.

Was ist für Sie die ultimative Art und Weise zum Entspannen?


Ich kann mich mit einem Glas Wein vor dem Kamin entspannen, bei einem Gespräch mit guten Freunden, einem guten Film auf einer Großleinwand in einem Kino und natürlich in unserem Haus in Knokke am Meer. Die Fahrt dorthin dauert nur eineinhalb Stunden und schon ist man in einer ganz anderen Welt.

Alle Rituals-Produkte basieren auf authentischen, traditionellen Routinen aus dem Fernen Osten. Was hat Sie dazu gebracht, Ihre Marke auf den Wurzeln asiatischer Praktiken und Rituale aufzubauen?

Auf der ganzen Welt leben die Menschen auf der Überholspur und tun Dinge wie ferngesteuert, weshalb ich beschlossen habe, aus alltäglichen Routinen bedeutungsvolle Momente zu machen. Praktisch hieß das, dass ich aus ganz gewöhnlichen Produkten wie Duschgelen und Rasierschaum etwas Besonderes machen wollte. Ich war seit über 15 Jahren in der Branche tätig und meine einzige Chance, um die Regeln zu ändern und die Dinge anders zu machen war es, mich selbstständig zu machen. Anstatt jedoch mit Vollgas weiterzumachen habe ich beschlossen, dass es besser wäre mich zunächst umzuschauen und etwas Abstand zu nehmen, um mich zu inspirieren. Ich bin gereist und dabei ist mir aufgefallen, dass wir die Wichtigkeit vergangener Praktiken übersehen: Wir setzen alles auf Innovation und schauen dabei nie zurück. Bei traditionellen östlichen Ritualen ist der Ansatz ganz anders und es wurde mir klar, dass ich meine Nische gefunden hatte.

Was ist Ihr bevorzugtes Urlaubsziel?


Wir bemühen uns, mit unseren Kindern zahlreiche verschiedene Orte zu besichtigen, wobei jede Reise anders und etwas ganz Besonderes ist, weshalb ich keinen speziellen Zielort nennen kann. Unsere besten Urlaubserinnerungen reichen von Klettern und Wandern in den Bergen hin zu Reisen in Thailand und Übernachtungen in kleinen Palmbaumhäusern an einem See.

Was ist Ihre Lieblingsstadt?


Mir gefallen vor allem dynamische Orte wie Tokio, Bangkok, Paris und Barcelona. Aber New York ist und bleibt etwas ganz Besonderes! Ich bin das erste Mal vor 15 Jahren in New York gelandet und das war ein entscheidender Moment für den Anfang meiner Rituals-Reise. Ich bin tagelang gelaufen, habe mir stundenlang die Schaufenster angeschaut, alles aufgesaugt und bin energiegeladen und mit einer Entscheidung zurückgekommen. Ich musste es einfach probieren. Die Eröffnung unseres Rituals Stores in Soho im letzten November war ein entscheidendes persönliches Highlight. Ich erinnere mich, wie ich vor 15 Jahren durch das Schaufenster des Unternehmens Fresh schaute und dabei voll Ehrfurcht und Bewunderung für diese Kosmetikmarke war. Und jetzt haben wir selbst eine Niederlassung direkt daneben. Ja, das ist eine riesige Sache für mich.

Gibt es noch etwas auf Ihrer „Bucket List“?


Ich glaube, dass ich das „Alles, was ich vor meinem Tod noch machen möchte“ Konzept schon kannte und gelebt habe, lange bevor es „Bucket List“ getauft wurde. Seit mittlerweile 25 Jahren setze ich mir jedes Jahr ein Ziel, um mindestens eine „einmalige Lebenserfahrung“ zu leben. Bisher zählten dazu Marathons, Skydiving, Bungee-Jumping, Wandern in der Natur mitten im Nirgendwo, um hier nur ein paar zu nennen. Was ich auf der Liste noch abhaken muss, wobei ich jedoch nicht weiß, ob mir das gelingen wird, ist Kitesurfen lernen, bevor ich dafür zu alt bin, Heli-Skifahren in Kanada und ein paar Tennisstunden in Nick Bolletieris Schule, um mit 20 Jahren Verzögerung doch noch eine beidhändige Rückhand hinzulegen.

Ihre Top 3 Bücher


Ich lese nicht mehr besonders viel, aber diese hier habe ich vor Kurzem entdeckt und sie haben mich inspiriert: Steve Jobs, Biografie, Howard Schultz und Der Allesverkäufer von Brad Stone

Bester Moment Ihres Lebens …


Die Hochzeit mit meiner Frau Colette und die Gründung unserer Familie.

Ihr Lieblingszitat aller Zeiten?


„Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch tun“ von Walt Disney. Ich bin überzeugt davon, dass die Fähigkeit zu träumen und die Entschlossenheit, seinen Träumen zu folgen, den Unterschied machen bei einem kreativen Unternehmer. Ich habe verschiedene Zitate, die mir etwas bedeuten, an einer versteckten Stelle auf meinem Hemd aufgestickt. Das kann man auch ein Ritual nennen. Ich habe damit 2000 angefangen, um mich in schwierigen Zeiten zu motivieren und mache das heute immer noch.

Ich mag keine Menschen, die …


eifersüchtig sind, über andere richten, negativ und pessimistisch sind.

Was sind Ihre positivsten Charaktereigenschaften? Welche Ihrer Charakterzüge würden Sie als negativ bewerten?


Ich finde, dass die Tatsache, dass ich ein optimistischer Träumer bin, ziemlich positiv ist. Zudem bin ich kreativ und wagemutig. Auf der negativen Seite kann ich ungeduldig und nicht zu bremsen sein – und manchmal auch ein bisschen faul.

Nennen Sie bitte die drei Menschen, die Sie am meisten bewundern und sagen Sie uns warum


Meine Frau Colette, meine Mutter und inspirierende Menschen wie Steve Jobs und Howard Schultz. Ich bewundere Menschen mit Träumen und einer Vision, die mit ihrer Inspiration ein Vorbild leben und gleichzeitig konzentriert sind, damit jedes Detail sitzt.

Nennen Sie ein Event, das Ihr Leben verändert hat


Ich war 9 Jahre alt als mein Vater sein Leben auf tragische Weise bei einem Autounfall lassen musste. Das hat mich stark gezeichnet. Ich habe schon jung erkannt, dass das Leben wertvoll ist und dass es zu einem beliebigen Zeitpunkt plötzlich enden kann. Man ist selbst dafür verantwortlich, das Beste daraus zu machen und zwar jetzt, solange man es noch kann. Und man hat es sich selbst zu verdanken, wenn man die kleinen Dinge des Lebens zu genießen weiß, denn eines Tages schaut man vielleicht zurück und erkennt, dass sie groß waren. Seitdem betrachte ich nichts als selbstverständlich und lebe mehr in der Gegenwart. Die gesamte Erfahrung ist eine entscheidende Triebkraft für meine Arbeit für Rituals.

Glauben Sie an Wiedergeburt?


Nein. Ich glaube daran, dass man dieses Leben so gut wie möglich genießen sollte und ich glaube daran, dass wir den Planeten ein bisschen besser zurücklassen sollten als wir ihn vorgefunden haben. Jeder kann einen Beitrag leisten, egal ob es sich dabei um den Aufbau eines Geschäfts handelt oder darum, sich um andere zu kümmern.

Was ist Ihre Definition von Erfolg?


Die Definition von Erfolg ist für mich glücklich sein, ein erfülltes Leben und seine Talente positiv einsetzen. Denn jeder hat ein Talent für etwas.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsprodukt von Rituals? Bitte wählen Sie nur eins aus …


Zweifelsohne der Fujiyama (momentan unter dem Namen Happy Buddha bekannt) Duschschaum. Dabei handelt es sich um das Produkt, das den Stein ins Rollen gebracht hat: Es hat uns die ersten Jahre lang überleben lassen, damals, als noch nicht alles so glatt lief. Der Duschschaum verkörpert unsere einzigartige Philosophie. Es war eine Neuauflage des Mainstream-Duschgels in Form eines neuartigen Duschschaums mit einem süchtig machenden Duft.

Wo sollte Rituals sich idealerweise in 5 bzw. 10 Jahren befinden?


Der Aufbau einer Marke dauert häufig ein ganzes Leben lang. Wir haben noch einen langen Weg vor uns und müssen viele Dinge lernen in einer Welt, die sich unglaublich schnell verändert. Ich hoffe, dass in 25 Jahren die ganze Welt unsere wunderschöne Marke kennen wird. Und ich hoffe, dass man uns an allen Straßenecken in Luxus-Shoppingcentern und in Kaufhäusern finden wird, vom Fernen Osten bis nach Südamerika.