Was ist Freundlichkeit und können wir sie erlernen?

Werden wir freundlich geboren oder ist es etwas, das wir erlernen können? Wir untersuchen, warum Freundlichkeit der Schlüssel zu einer besseren Welt ist und welche überraschenden Vorteile sie für die Gesundheit hat. 

Was ist Freundlichkeit?  

Laut Oxford Dictionary ist Freundlichkeit „Die Eigenschaft, freundlich zu sein“ und „eine freundliche oder hilfsbereite Handlung“. In der Realität ist das Thema jedoch viel differenzierter, denn zu wahrer Freundlichkeit gehört auch, keine Gegenleistung zu erwarten. Wenn wir freundlich sind, kommt es zu ganz natürlichen Reaktionen auf diese Freundlichkeit. „Freundlichkeit ist Balsam für die Seele, für Beziehungen, Familien und Gemeinschaften. Sie gibt uns ein gutes Gefühl – uns selbst und unserem Platz in der Welt gegenüber“, erläutert Psychologin Suzy Reading.

 

Warum Freundlichkeit uns guttut

Freundlich zu sein gibt uns buchstäblich ein wohlig warmes Gefühl im Innern. „Wenn wir gute Taten vollbringen, wird der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet, der für ein gutes Gefühl und das ‚Helper‘s High‘ sorgt“, erklärt Suzy Reading. Aus wissenschaftlichen Forschungen geht auch hervor, dass Freundlichkeit das Lustzentrum des Gehirns aktiviert, wodurch Serotonin ausgeschüttet wird, die chemische Botensubstanz, die für unsere Stimmung zuständig ist. Das führt zu mehr Selbstachtung und weniger Depressionen und Sorgen. Ein erhöhter Serotoninspiegel kann auch den Schlaf verbessern und es gibt sogar noch weitere, vielleicht sogar überraschendere Vorteile für die Gesundheit. Aus Forschungsergebnissen geht hervor, dass unser Puls niedriger wird und Stress abnimmt, wenn wir freundlich sind. Dadurch wird das Immunsystem gestärkt, und das Erkrankungsrisiko vermindert. Zuständig dafür ist ein großartiges Hormon mit dem Namen Oxytocin, das auch als Glückshormon bekannt ist. „Oxytocin wird oft mit Fortpflanzung, Stillen und Sozialverhalten in Verbindung gebracht“, schreibt „Freundlichkeitswissenschaftler“ und Arzneimittelchemiker Dr. David Hamilton, „es spielt aber auch eine wichtige Rolle im Herzkreislaufsystem, Immunsystem, Verdauungssystem, bei der Umwandlung von Stammzellen in Muskelzellen, Herzzellen und sogar Hautzellen. Ohne Oxytocin wären wir nicht hier. Und das heißt, genauer betrachtet, dass wir ohne Freundlichkeit nicht hier wären.“

 

Können wir lernen, freundlich zu sein?

Die gute Nachricht ist, dass wir alle Freundlichkeit in uns haben. „Die Menschen werden mit Freundlichkeitsgenen geboren, und ein wichtiger Faktor ist Oxytocin“, erklärt Dr. Hamilton. „Es sorgt dafür, dass Mütter ihre Kinder lieben und so dafür sorgen, dass die menschliche Rasse weiterhin besteht, und es sorgt dafür, dass wir uns gegenseitig helfen und für das Gemeinwohl arbeiten. Wir alle sind in unterschiedlichem Maße freundlich. Besondere Lebensumstände können natürlich dazu führen, dass wir uns egoistisch verhalten, aber wir alle verfügen über das Oxytocin-Gen. Das Verhalten eines Menschen ist oft das Ergebnis von dem, was sie gelernt haben, von den Umständen und von frühen Erlebnissen. Darum ist es so wichtig, weltweit Freundlichkeit zu lehren. Sie ist eine Fähigkeit, die wir alle fördern und verstärken können.  

 

Das Rote Kreuz versorgt Schulen mit Ressourcen, damit im Klassenzimmer Freundlichkeit gelehrt werden kann. So können Kinder schon früh die Vorteile der Freundlichkeit kennenlernen. Die globale Wohlfahrtseinrichtung kindness.org weiß ebenfalls, wie wichtig es ist, schon ab einem frühen Alter Freundlichkeit zu lehren. Sie hat ein Programm für Lehrer und Schulen entwickelt, ist jedoch noch einen Schritt weitergegangen und arbeitet mit Unternehmen zusammen, um ein Arbeitsumfeld zu fördern, das auf Freundlichkeit beruht. Darüber hinaus gibt es eine Zusammenarbeit mit Verbrauchermarken, um zu zeigen, wie diese Freundlichkeit verbreitet werden kann. Im Jahr 1998 hat das World Kindness Movement, eine internationale Nichtregierungsorganisation, die Nationen verbinden möchte, um die Welt freundlicher zu machen, den World Kindness Day ins Leben gerufen. Dieser Tag findet dieses Jahr am 13. November statt und gibt Gemeinschaften die Möglichkeit, die guten Taten hervorzuheben, die in ihrer Region vollbracht wurden. Freundlichkeit kann mit einer Einzelperson beginnen, doch diese Organisationen zeigen, dass eine freundliche Handlung sich erst in einer Gemeinschaft, dann in einem Land und hoffentlich eines Tages auf der ganzen Welt ausbreiten kann. Das hoffen wir.  

 

Was kann man tun, wenn Freundlichkeit nicht erwidert wird? 

Auch wenn uns Freundlichkeit in den Genen liegt, entscheiden sich Menschen – auch wir – manchmal gegen die freundliche Option. Es gibt viele Gründe, warum das passiert. Die Umstände, das Umfeld – und traurigerweise haben einige von uns vergessen, wie Freundlichkeit funktioniert. „Bei wahrer Freundlichkeit geht es darum, Zuwendung und Wärme zu geben, ohne im Gegenzug etwas dafür zu erwarten. Das heißt aber nicht, dass es nicht schmerzhaft ist, wenn wir keine Freundlichkeit zurückbekommen“, meint Suzy Reading. „Mein Rat ist, dass es wichtig ist, stolz auf das eigene Verhalten zu sein und sich immer an folgendes Mantra zu erinnern: verletzte Menschen verletzen Menschen.“  

 

So sind Sie freundlich zu sich selbst und anderen

Diese kleinen Taten der Freundlichkeit können ganz leicht in den Alltag integriert werden. Sie machen uns selbst glücklich und auch diejenigen, denen wir begegnen.  

 

Morgendliche Freundlichkeit 

Wenn Sie aufwachen, scrollen Sie nicht einfach gedankenlos durch Ihr Handy, sondern senden Sie einem lieben Menschen eine Nachricht und sagen Sie ihm, wie froh Sie sind, dass es ihn gibt.  

 

Freundlichkeit auf dem Weg zur Arbeit 

Der Weg zur Arbeit kann stressig sein, warum verbreiten Sie unter ihren Mitpendlern also nicht ein wenig Freundlichkeit? Halten Sie die Tür für die Person hinter Ihnen auf, lassen Sie jemanden vor, schreiben Sie eine nette Nachricht für den nächsten Nutzer Ihres Leihfahrrads auf und legen Sie sie in den Fahrradkorb.  

 

Freundlichkeit anerkennen 

Wenn jemand zu Ihnen freundlich ist, bedanken Sie sich. Wenn Sie diese Taten der Freundlichkeit noch weitertragen möchten, gehen Sie zu kindness.org (Teil von Lady Gagas Born This Way Stiftung). Hier können Menschen aus der ganzen Welt all die Taten der Freundlichkeit festhalten, die sie gesehen und erlebt haben.    

 

Geben Sie Freundlichkeit weiter! 

Freundlichkeit ist ansteckend. Wenn jemand zu Ihnen freundlich ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch Sie zu jemandem freundlich sind. So können Sie Freundlichkeit weitergeben. Es gibt viele Möglichkeiten, dies in Ihrem Alltag umzusetzen: Sie können den Kaffee für die Person bezahlen, die hinter Ihnen in der Schlange steht, oder den Fahrschein für die Person hinter Ihnen.  

 

Freundlichkeit im Büro 

Bleiben Sie auch im Arbeitsalltag freundlich, indem Sie einfache Dinge für Ihre Kollegen tun: Kochen Sie Kaffee, den Sie gemeinsam genießen können, und nicht nur eine Tasse für sich allein.  

 

Einfach Lächeln 

„Manchmal sind es die kleinen Momente im Leben, die übersehen werden, aber so wichtig sind. Wenn Sie im Supermarkt jemanden anlächeln, teilen Sie einen Augenblick der Verbindung und Kenntnisnahme – so können Sie einen schönen Moment in das Leben eines anderen Menschen bringen“, sagt Psychologin Jess Baker.

 

Seien Sie sich selbst gegenüber freundlich. 

„Freundlichkeit sich selbst gegenüber ist unglaublich wichtig“, findet Suzy Reading. „Wunderschöne Dinge passieren bei einem freundlichen Selbstgespräch und einer beruhigenden Berührung, wenn Sie zum Beispiel die Hände auf Ihr Herz legen, sich Zeit nehmen, richtig zu atmen und einige freundliche Worte wiederholen, bevor Sie Ihren Tag beenden.“  

 

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